
Nun gut, da war ich doch tatsächlich vor zwei Tagen mit der Freundin meines Mannes im Kaffeehaus. Ja, genau mit jenem Mädchen, mit dem er mich monatelang hintergangen hat. Wie gesagt, ich dachte, wenn sie mich kennenlernt wird es für alle Beteiligten leichter, normalen Umgang miteinander zu haben. Das Treffen verlief vordergründig nett, wir unterhielten uns zwei Stunden lang. Während ich dort mit ihr saß rief auch Max an, der ja eigentlich am Abend zum Essen vorbeikommen hätte sollen. Er sagte ab, weil er "den ganzen Tag auf der Uni war und so müüüüüüdeeee" sei. Gefreut hat mich das natürlich nicht, aber er wollte später nochmal anrufen, vielleicht käme er ja doch noch in der Nacht zu mir.
Nachdem ich mich von ihr verabschiedet hatte, ging es mir gut. Ich machte mich auf den Nachhauseweg und telefonierte gut gelaunt mit ein paar Freunden. Ich kam in eine leere Wohnung, mein Mitbewohner war wohl unterwegs, und da fing es an. Die Tränen kullerten mir übers Gesicht und im ersten Moment wusste ich nicht einmal, weshalb. Ich konnt nicht aufhören zu weinen. Ich rief meine Freundin an, und als ich zu reden began merkte ich plötzlich, was es war, dass mich so traurig machte. Erstens war es anscheinend doch emotional anstrengender, als ich mir eingestehen wollte, die "Rivalin" zu treffen und freundlich mit ihr Konversation zu betreiben. Zweitens realisierte ich erst jetzt, was manche Aussagen von ihr wohl zu bedeuten hatten. Es scheint, als hätte mein Mann nicht sehr viel Nettes über mich gesagt. "Ich bin eigentlich positiv überrascht, ich hab ja nur Negatives über Dich gehört!" und "Wenn er sich nicht mich mit eingelassen hätte, wärs halt eine Andere gewesen!" waren zwei der besten Kommentare von ihr. Und Drittens war es doch so, dass sie nach unserem Treffen zu meinem Mann ging, während ich allein zuhause war. Max war ja nicht vorbeigekommen. Und bezeichnent ist doch auch, dass ich, als es mir schlecht ging, nicht ihn angerufen hatte. Auf die Idee wäre ich niemals gekommen, mir fehlt doch das Vertrauen, dass ich mit ihm über meine Gefühle reden kann.
Ich weinte und weinte und konnt mich nicht beruhigen. Ein, zwei Drinks, dachte ich mir, würden mir vielleicht helfen, müde zu werden und einzuschlafen.
Irgendwann rief Max an, um mir zu sagen, dass er heute nicht mehr kommen würde. Als er mich weinen hörte kamen statt tröstender Worte nur dumme Bemerkungen. Ob ich denn jetzt weinen würde, weil wir uns ein paar Tage nicht gesehen hatten. Er war eindeutig mit der Situation überfordert, weil er anscheinend kein Mensch ist, der für Andere da sein kann/ will.
Nach dem Telefonat war ich natürlich noch emotionaler. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, alleine zu sein und rief meinen Mitbewohner an. Er merkte innerhalb von Sekunden, was mit mir los war, und obwohl er gerade auf einem Fest war ließ er alles liegen und stehen und stand kurze Zeit später zuhause. Weinend fiel ich ihm in die Arme und er versuchte, mich zu beruhigen. Natürlich fragte er, wo denn Max wäre. Schluchzend erzählte ich ihm alles. Mit einem "Jetzt reichts" wählte er seine Nummer. Mein Mitbewohner ist ein lieber, umgänglicher Mensch, der nie wirklich böse wird. Was dann kam, hatte ich also bei ihm noch nie wirklich erlebt. Er machte Max am Telefon zur Schnecke. "Ich kann nicht glauben, dass Du nicht für sie da bist, wenn es ihr schlecht geht. Das ist eine absolute Sauerrei!" Ich signalisierte ihm im Hintergrund, er soll doch das Gespräch beenden, es führe doch zu nix. Außerdem konnt Max mir in dem Moment wirklich gestohlen bleiben. Der brauchte gar nicht mehr kommen. "Max, Du musst selbst wissen was Du tust!", sagte er noch und legte auf. Was danach passierte hab ich gar nicht mehr so wirklich in Erinnerung, weil ich zu aufgelöst und leider doch schon etwas betrunken war. Ich weiß nur noch, dass Max plötzlich in der Wohnung stand. Ihn hatte wohl das schlechte Gewissen gepackt und er war doch noch gekommen. Ich fiel ihm wohl in die Arme und irgendwann beruhigte ich mich wohl doch so weit, dass ich einschlafen konnte.
Stunden später wachte ich auf, Max hielt mich im Schlaf fest umschlungen. Ich befreite mich aus der Umarmung, denn ich war doch noch immer entäuscht von ihm. Er wachte kurz auf und zog mich an sich.
Nachdem wir endlich aufgestanden waren kochte ich, und ich muss zugeben, Max war sehr bemüht. Er fragte mich, ob es mir besser ginge, er meinte, dass er nicht gewusst hatte, wie schlecht es mir ging. Während ich kochte kam er immer wieder in die Küche und umarmte mich. Als er dann ging entschuldigte er sich dafür, dass er jetzt weg musste.
Insgesamt hat mich Max dann am Abend noch drei Mal angerufen, um sicher zu gehen, dass es mir gut ging. Mir auf Facebook eine Nachricht geschickt und ich bekam auch eine SMS, in der er meinte, dass er immer für mich da ist.
Ich sehe, er bemüht sich schon, aber die Frage ist doch, ob es genug ist, sich zu bemühen, ob ich Geduld mit ihm haben muss, oder ob er mir einfach nie das geben wird können, was ich brauche!